NZZ: "Die Firma Roche steht unter Beschuss. Sie halte wichtige Daten aus Studien zurück, welche die Wirksamkeit von Tamiflu belegen sollen, schreiben Forscher der Cochrane-Vereinigung im «British Medical Journal» («BMJ»). (...) Als der britische Privatsender Channel 4 [siehe Video weiter unten] in Zusammenarbeit mit den Cochrane-Forschern bei Roche Einblick in die Daten verlangte, wurde ihnen mitgeteilt, dass dies nur gehe, wenn sie eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben würden. Für die Forscher waren die gestellten Konditionen aber inakzeptabel, wie sie schreiben. Deshalb schlossen sie die fraglichen Datensätze in der neuen Analyse aus. Anhand der restlichen Daten konnten sie eine Reduktion der grippebedingten Komplikationen wie etwa Lungenentzündungen bei gesunden Menschen nicht mehr feststellen. Dies führten sie auf einen Mangel an verlässlichen Daten zurück. (...) Die Regierungen hätten sich bei der Anschaffung der Medikamente auf falsche Annahmen verlassen, schreiben Godlee und Clarke. Roche widerspricht dem. Die Firma sei von der Qualität ihrer Daten überzeugt, sagt die Mediensprecherin Martina Rupp. (...) In Reaktion auf die Untersuchungen hat Roche aber angekündigt, einen Passwort-geschützten Zugang zu den fraglichen Daten einzurichten. Es wird sich zeigen, ob dies ihre Rehabilitierung erlaubt."
Die Woche zuvor debattierten im BMJ bereits zwei Fachleute über den Umgang mit firmengesponserten klinischen Studien und ihren Daten.
Samstag, 12. Dezember 2009
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Schwarze Schokolade baut Stresshormone ab
Der Schokolade, insbesondere dunkler Schokolade, werden allerlei wohltuende Eigenschaften nachgesagt. Stimmungsaufhellend und antidepressiv wirke sie, wundheilend und blutdrucksenkend und so weiter. Eine kürzlich erschienene Studie, aus der Schweiz finanziert, stellt nun fest, dass regelmässiger Konsum von dunkler Schokolade sogar Stresshormone abbauen kann.
Auskunft gab Sunil Kochhar, Schokoladeforscher bei Nestlé, über seine Arbeit "Metabolic Effects of Dark Chocolate Consumption on Energy, Gut Microbiota, and Stress-Related Metabolism in Free-Living Subjects"
Auskunft gab Sunil Kochhar, Schokoladeforscher bei Nestlé, über seine Arbeit "Metabolic Effects of Dark Chocolate Consumption on Energy, Gut Microbiota, and Stress-Related Metabolism in Free-Living Subjects"
Nanopartikel aus Silber in der Kleidung und im Abwasser
Nanopartikel, diese winzig kleinen Teilchen, tausend Mal kleiner als Staubkörner, finden sich inzwischen in Putzmitteln, Hörgeräten, Computeranzeigen, Teekrügen, in Plüschtieren, Sonnencremes und Insektenvertilgungsmitteln. Die Liste ist lang und wird immer länger. Die Hersteller versprechen, mit Nanomaterialien liessen sich wichtige Produkteeigenschaften verbessern. Zum Beispiel bei Sport- und Freizeitbekleidung. Was aber geschieht, wenn die mit Nanopartikeln getränkte Spezialsocke in der Waschmaschine landet?
Auskunft gaben: Bernd Nowack von der EMPA über seine Arbeit "The Behavior of Silver Nanotextiles During Washing" und Renata Behra von der EAWAG, die sich mit der Oekotoxizität von Nanosilber befasst.
Auskunft gaben: Bernd Nowack von der EMPA über seine Arbeit "The Behavior of Silver Nanotextiles During Washing" und Renata Behra von der EAWAG, die sich mit der Oekotoxizität von Nanosilber befasst.
Dienstag, 8. Dezember 2009
Studie von 1997: Stoffströme wichtiger endokrin wirksamer Industriechemikalien
In dieser ausführlichen Untersuchung von André Leisewitz und Winfried Schwarz vom Büro "Oekorecherche" war schon was drin zum Thema Thermopapier:
Dienstag, 1. Dezember 2009
Datenbanken regieren die Welt - auch an der Uni Basel
Was David Gugerli in seinem Buch sehr anschaulich nachzeichnet (und wovon er in seinem Talk an der völlig unterberichteten ["underreported" gibt's leider noch nicht auf Deutsch] Konferenz "Society of the Query" [Nein, ich war nicht dort, wär's aber gern gewesen] erzählte), manifestiert sich zum Beispiel ganz aktuell auch an der Uni Basel. Da argumentiert der Vizerektor im Interview mit der Hauszeitung auf die Frage, was die neue Forschungsdatenbank soll:
Interessant ist zudem Meier-Abts Antwort auf die Pseudofrage "Soll die Forschungsdatenbank auch eine Brücke zur Industrie schlagen?"
Anekdotisch sei vermerkt: Es gab bereits eine Forschungsdatenbank an der Uni Basel. Die aktuelle Finanzdirektorin von Basel-Stadt, Eva Herzog, hatte die an ihrer vorherigen Stelle im Vizerektorat Forschung aufgegleist.
Die Datenbank kann als zusätzliches Instrument dienen, um Forschungsleistungen zu messen. Im Hinblick auf eine leistungsorientierte Mittelallokation kann es für die Forschenden von Vorteil sein, ihre Leistungen in der Datenbank sichtbar zu machen.Nur wer in einer Datenbank existiert, existiert überhaupt. Und nur wer damit totale Transparenz herstellt (wer kann etwas gegen Transparenz haben...?), liefert messbare Leistung, und nur wer messbare Leistung liefert, bekommt - im übertragenen Sinne - zu Essen. Wie war das noch mit dem Protest der Studierenden? Die zunehmende Oekonomisierung ist einer ihrer Kritikpunkte. Das scheinbar harmlose, neutrale Instrument einer Forschungsdatenbank (wer kann da dagegen sein?) ist erklärtermassen das zentrale Instrument genau dafür. Was dort drin steht, was damit verglichen wird / vergleichbar gemacht werden soll, darum müsste wohl gestritten werden. Eine Debatte über die richtigen Felder auf der Eingabemaske? So absurd es klingt: Ja! Denn im Zeitalter der Datenbanken wird anhand der Eingabemasken die Zukunft strukturiert!
Interessant ist zudem Meier-Abts Antwort auf die Pseudofrage "Soll die Forschungsdatenbank auch eine Brücke zur Industrie schlagen?"
Das ist klar eines der Ziele. Die grossen Pharmakonzerne kennen zwar bereits heute viele Forschende und ihre Projekte, an denen sie interessiert sind. Es bestehen aber Lücken und ein grosses Bedürfnis nach einer umfassenden Information. Dann geht es vor allem auch um kleine und mittlere Unternehmen, die über die Datenbank nach Projekten suchen können, bei denen eine Zusammenrbeit infrage kommt.Auf Elektrisch heisst das: Big Pharma will eine API-Schnittstelle zur Uni. Wie im Begleitartikel in "intern Dezember 2009" zu lesen ist, stellt die Forschungsdatenbank zudem nur eine Teil-Transparenz her. Wir lesen:
Die Forschungsdatenbank publiziert nicht automatisch Daten - schon nur aus Datenschutzgründen nicht. Confidential Agreements können berücksichtigt werden, indem man versteckt publiziert, wodurch die Projekte dann nur für die interne Jahresberichterstattung zur Verfügung stehen.Was kann so heikel sein an der Uni, dass es nicht in der Forschungsdatenbank, einsehbar für die Oeffentlichkeit, auftauchen darf? Zielgerichtete, patentrelevante Auftragsforschung für Big Pharma? Oder andersrum: Forschung, die mit ihren Ergebnissen deren Interessen zuwiderlaufen könnte? Niemandem sei hiermit irgendwas unterstellt. Aber wer Oeffentlichkeit einerseits herstellt, aber dunkle Ecken belässt, müsste eigentlich genau erklären, wozu die dienen sollen.
Anekdotisch sei vermerkt: Es gab bereits eine Forschungsdatenbank an der Uni Basel. Die aktuelle Finanzdirektorin von Basel-Stadt, Eva Herzog, hatte die an ihrer vorherigen Stelle im Vizerektorat Forschung aufgegleist.
Montag, 16. November 2009
Kritiker des "Vorsorgeprinzips" hält keynote an Eröffnungssymposium des Schweizer Zentrums für Angewandte Humantoxikologie
Kommenden Donnerstag findet das Eröffnungssymposium des neu gestarteten Schweizerischen Zentrums für Angewandte Humantoxikologie statt in Genf (Programm, .pdf). Die Keynote hält Sir Colin Berry, ein offenbar prononcierter Kritiker des so genannten Vorsorgeprinzips. Formuliert in der Agenda21 der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) 1992 in Rio als:
Angesichts der Gefahr irreversibler Umweltschäden soll ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewißheit nicht als Entschuldigung dafür dienen, Maßnahmen hinauszuzögern, die in sich selbst gerechtfertigt sind. Bei Maßnahmen, die sich auf komplexe Systeme beziehen, die noch nicht voll verstanden worden sind und bei denen die Folgewirkungen von Störungen noch nicht vorausgesagt werden können, könnte der Vorsorgeansatz als Ausgangsbasis dienen.Dieses Zentrum, insbesondere seine Unabhängigkeit, war hier schon verschiedentlich ein Thema. Vor diesem Hintergrund ist die Wahl Berrys als Keynotespeaker gleich am Eröffnungssymposium und mit dem Thema "Public mistrust, indifferent science and the problems for regulation" forschungspolitisch interessant. Vertritt er eine Haltung, mit der die Verantwortlichen des Zentrums sympathisieren? Hat er die Rolle des Agent provocateur, der alte Gewissheiten hinterfragen soll? Wird sein Publikum in Genf zustimmend nicken bei seiner Rede? Wird es kritische Rückfragen, vielleicht gar eine hitzige, kontroverse Diskussion geben? Man wüsst es gern. Vor 8 Jahren hielt Berry eine Rede über "Risk, science and society", die begann mit:
In the context of the safety of our day-to-day environment, we have become highly risk-averse. Our obsession with very small risks has reached a stage that results in damage to society. Further, the debate we have about these problems has a comparable value and intellectual content to the often-cited discussions in Byzantium about how many angels could dance on the head of a pin.In einer ähnlichen Tonlage wird sein Vortrag am Donnerstag wohl auch liegen. Ueber ihre Aufgabe schreibt die Institution, die da u.a. mit Berrys keynote eingeweiht wird:
Our mission is to be the pioneer in Human Toxicology in Switzerland by carrying out essential research projects as well as providing educational and regulatory activities to help build a knowledge base on the subject.Wie gesagt: Man wär gern am Donnerstag in Genf!
Mittwoch, 4. November 2009
Ersatz für Erdöl aus Wasser und CO2
Die Idee von Andreas Züttel und Heinz Berke, vorgestellt in den EMPA News vom Juli 2009 (siehe unten), klingt verlockend: Per Photovoltaik Strom erzeugen, der Wasser spaltet, dessen Wasserstoff mit CO2 aus der Luft zu einem Brennstoff reagieren soll. Voilà, ein Energieproblem weniger... Wie allerdings "aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen" zu hören ist, trifft ihre Idee für ein eigenes NFP "Nichtbiogene erneuerbare Energieträger" nicht nur auf Gegenliebe. Wir bleiben dran.
Abonnieren
Posts (Atom)