Dienstag, 26. Mai 2009

"beach care" wirbt für den Schutz der Sandstrände

Freuen Sie sich schon auf Ihre nächsten Ferien an einem idyllischen Sandstrand? Oder fahren Sie lieber in die Berge, weil es naturbelassene Strände kaum mehr gibt? Strandbefestigungen, Ferienhaussiedlungen und Hotelkästen, Abfall und Abwasser, Abbau von Sand… Der Mensch beeinflusst mit seinen Eingriffen die Strand-Natur - und greift damit ein in ein sehr empfindliches Ökosystem. Seit kurzem versucht eine Umwelt-Organisation die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen auf den Raubbau, den wir Menschen vielerorts an den Stränden betreiben.








Eine kurze Geschichte aus Wien..., zu hören heute in DRS2aktuell.

Montag, 25. Mai 2009

"Spy vs. Spy" wird in der NZZ zu "Bühler & Bühler"

Auf der Frontseite der NZZ am Sonntag gestern: Der Chef des Schweizer Geheimdiensts, a.k.a. DAP, Jürg Bühler diktiert dem NZZ-Schreiberling Stefan Bühler in den Notizblock:
Wir stellen eine Zunahme der Spionagetätigkeit gegen den Schweizer Bankenplatz fest.
Die Faktenlage, auf die sich der Artikel stützt und die den Titel
Ausländische Spione nehmen Schweizer Banken ins Visier - Bund verhängt Einreisesperre gegen 21 Diplomaten wegen Spionageverdachts
legitimieren sollte? Wie immer, wenn's um Geheimdienste geht: Sehr, um nicht zu sagen äusserst dünn! Die Banken? Sagen gar nix. Der Generalsekretär der Privatbankiers, Michel Dérobert? Bestätige, dass bezüglich vermehrter Spionage gegen Schweizer Banken "Gerüchte zirkulieren" – konkrete Fälle kenne er aber nicht. Peter Cosandey, "langjähriger Zürcher Staatsanwalt im Bereich internationale Rechtshilfe und Geldwäscherei, heute berät er Firmen bei der Verhinderung sowie der Aufdeckung von Wirtschaftsdelikten", also einer, der geschäftsmässig von Unsicherheit profitiert? Er sagt, "man hört, dass Unbekannte die Autonummern deutscher Kunden notieren." Ein anonymer, vermögenverwaltender Banker wisse von "zwielichtigen Figuren", die mitunter um Bankfilialen schlichen und Kunden fotografierten. Und derselbe Anonymus bestätigt, "dass wir wegen der Gefahr, abgehört zu werden, bei manchen Gesprächen ins Ausland Codes verwenden und keine Namen nennen". Dann sind da noch 21 "ausländische Personen", die nicht einreisen durften, "zum Schutz vor verbotenen Spionagetätigkeiten", wie im Rechenschaftsbericht 2008 des Bundesamtes für Polizei auf Seite 17 steht. Die NZZaS macht daraus 21 Diplomaten unter Spionageverdacht, 21 mutmassliche Spione. Aber weder Bühler noch Bühler sagen mit einer Silbe, die hätten etwas mit den Banken vorgehabt. Also auch Fehlanzeige!
Mehr ist da nicht drin in dem Artikel, Ehrenwort! Fassen wir zusammen: Eine brodelnde Gerüchteküche, angeblich Autonummern notierende und mutmassliche Steuerflüchtlinge knippsende Schlapphüte, die niemand wirklich gesehen hat, Auslandsgespräche führende Banker, die - als ganz grosse Schlaumeier! - mit Codes und ohne Namen der NSA ein Schnippchen schlagen wollen und da sind 21 russische Schussel, die sich so tapsig benehmen, dass die Grenzer sie beim besten Willen nicht durchlassen konnten (die tatsächlichen Spione, die's zweifelsohne gibt, sind inzwischen garantiert längst durch den Zoll): Courant normal allerorten! Keine besonderen Vorkommnisse! Null, nada, zero! Was war jetzt gleich die Geschichte??? Warum in aller Welt macht die NZZ am Sonntag auf der Frontseite auf mit dieser notdürftig zusammenschusterten, aufgeblasenen, faktenfreien, nur aus knapp lauwarmer Luft bestehenden Geschichte?
Und dass der Autor Stefan Bühler nicht erklärt, ob er er am Ende sogar mit dem DAP-Chef Jürg Bühler verwandt ist, hab ich gar noch nicht erwähnt. Das gehörte aber bei dem Thema wenigstens in eine Klammerbemerkung im Sinne von "(nicht verwandt mit dem Autor)" beim ersten Auftauchen von "Jürg Bühler". Sollten die beiden tatsächlich verwandt sein, was nicht auszuschliessen ist, und sie deklarieren es nicht, gehören beiden die Ohren langgezogen!
Verhelfen solche windelweichen Artikel zu "Besinnnung", "Einordnung" und "Ueberblick", von denen der Chefredaktor der NZZ am Sonntag, Felix E. Müller, in derselben Nummer auf S. 17 seines Blattes unter dem Titel "Nachrichten vom Tod der Zeitungen sind stark übertrieben" meint, dass sie nur die Sonntagspresse mit ihrer "Totalität der Leseerfahrung" ermögliche? "Stark übertrieben" ist anders! Vom Aufmacher der Sonntagsausgabe der NZZ erwarte ich härtere Fakten, tiefere Recherche und sauberere Arbeit.
Und dass die NZZ am Sonntag jetzt - als Musenalp-Express in Nadelstreifen - auch noch einen Liebesgeschichtenwettbewerb ausschreibt, ist nur eine weitere Etappe auf dem Weg des Blattes in die Belanglosigkeit. Schade!
Die SonntagsZeitung war gestern auch keine Alternative. Ihre Ekelstory auf der Frontseite von den pädophilen Vätern, die ihre Söhne im Kreis rum missbrauchen, macht mir Brechreiz, nicht Leselust! Und im SonntagsBlick? Breitet Hannes Britschgi auf der Frontseite aus, dass Pereira von Weisser ein Kind will. Muss man auch nicht wirklich wissen. Ich glaub, ich lass das mit dem Zeitunglesen wieder!

Donnerstag, 21. Mai 2009

Meeresversauerung - bald keine Muscheln mehr am Strand?

Der Anteil an CO2 in unser Luft steigt. Messbar. Vor 200 Jahren lag er bei rund 280 Teilen pro einer Million Luftteilchen. Heute liegt er bei um die 380 Teilchen pro Million Luftteilchen oder 380 ppm. Das ist gut ein Drittel mehr. Der steigende CO2-Anteil in der Luft hat auch Auswirkungen auf die Meere. Denn sie stehen im Austausch mit der Luft. Mehr CO2 in der Luft heisst darum auch: Mehr CO2 im Wasser. Laut jüngsten Zahlen schlucken die Weltmeere jeden Tag 20 Millionen Tonnen CO2. Was das für Auswirkungen auf die Chemie des Wassers und die Meereslebewesen hat, erklärte am Jahreskongress der Geowissenschafter in Wien der Geochemiker Jelle Beijma vom Alfred Wegener Institut in Bremerhaven.








Links zum Thema. Von Wien aus hatte ich eine Rohfassung des Beitrags, der morgen im Wissenschaftsmagazin zu hören sein wird (resp. war), auf den Kongressblog gestellt.

Dienstag, 19. Mai 2009

Der Ozean im Gebirge

(Anmoderation) Zwischen Altdorf und Airolo lagen einst tausend Kilometer Ozean. "Einst" heisst in diesem Fall: Vor 150 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit war Airolo in Palermo. Das klingt zwar beim ersten Anhören einigermassen unglaubwürdig. Aber die Erdwissenschaft, die Geologie, hat ihre guten Gründe für diese Behauptung. Wie die Geologie heute argumentiert und wie die Wissenschaft sich zu dieser Erkenntnis vorarbeitete, das erzählt das vor kurzem erschienene Sachbuch "Der Ozean im Gebirge".

(Beitrag) Jeder Berg und jeder Stein erzählt eine Geschichte. Was für heutige Ohren banal klingt, ging westlichen Naturforschern erst vor rund 400 Jahren so langsam, langsam auf. Und erst vor 200 Jahren formulierte der Schotte James Hutton erstmals die grosse Erzählung des Kreislaufs von der Abtragung der Gesteine, ihrer Ablagerung, der Verfestigung und der Umwandlung - und dann wieder Abtragung der Gesteine.

Die beginnende Industriealisierung anfangs des 19. Jahrhunderts trug das ihre dazu bei, dass die Wissenschaft der Erde entstand. Bäche und Flüsse wollten gezähmt sein. Rohstoffe mussten gefunden werden. Die Gesteine, ihre Zusammensetzung und ihre Verteilung in der Landschaft wurden zum Objekt der wissenschaftlichen Neugierde. Die Frage, warum die Berge da und so sind, wo und wie sie sind, wollte beantwortet sein.

Mit der wachsenden Neugierde und der intensiveren Erforschung, nahm auch der Erkenntnisstand zu. Und die Forscher entdeckten dabei ganz merkwürdige Dinge: Der Schweizer Arnold Escher von der Linth machte zum Beispiel 1841 die irritierende Feststellung, dass an verschiedenen Orten in den Alpen ältere Gesteine UEBER jüngeren liegen. Also: Unten: junge, oben: alte. Wie konnte das sein? Eigentlich galt das Dogma: unten liegt das Alte, und oben das Junge. Escher von der Linth fand, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Und erklärte die chronologische Umkehrung, markant zu sehen in den Glarner Alpen, mit ziemlich artistischen Verrenkungen, die die Gesteinsschichten an ihrem heutigen Fundort hinter sich hätten.

Die dynamische Sichtweise, dass die älteren Schichten bewegt worden sind und schliesslich so, nach viele Kilometer langen Überschiebungen, über den jüngeren Schichten zu liegen kamen, diese Sichtweise war Escher von der Linth verschlossen. Noch sein Schüler, der für die Geologie der Alpen wichtige Albert Heim, verteidigte die Ansichten seines Lehrers Ende des 19. Jahrhunderts. 20 Jahre lang argumentierte Heim gegen die Thesen vor allem des französischen Geologen Marcel Bertrand. Erst 1902 anerkannte Heim, dass das, was heute in der Alpgengeologie "Decken" heisst, die Realität wohl am adäquatesten beschreibt. Seither, seit Anfang 20stes Jahrhundert ist etabliert, dass die Alpen entstanden sind unter anderem durch den Transport riesiger Gesteinspakete über weite Strecken. Und dass diese Decken dabei einander gegenseitig überfuhren und überlagerten.

Aber es fehlte noch ein wichtiger Puzzlestein in der Erklärung: Die Antwort auf die Frage, warum die Gesteinspakete auf Reisen gingen. Die übergeordnete Theorie von der Bewegung der Kontinente, erstmals formuliert von Alfred Wegener im Herbst 1911, die fehlte noch. Und es sollte bis in die zweite Hälfte des 20sten Jahrhunderts dauern, bis die Erdwissenschaft die Fakten alle beienander hatte, um zu erkennen, dass die Oberfläche der Erde tatsächlich massgeblich geprägt ist von beweglichen, zerbrechenden, kollidierenden und aneinander vorbei driftenden Kontinenten. Und erst damit war möglich, die moderne Geschichte auch der Alpen zu schreiben, so wie sie im Buch “Der Ozean im Gebirge” jetzt vorliegt. Verfasst von den beiden Geologen Helmut Weissert und Iwan Stössel. Auf 178 reich illustrierten Seiten stellen sie einerseits ganz kurz die Geschichte ihres Faches dar. Und sie erzählen, was heute, 2009, Stand des Wissens über die Alpen ist.

Ihr Buch richtet sich an ein naturwissenschaftlich interessiertes, mit Vorteil sogar entsprechend vorgebildetes Publikum. Denn die Autoren verwenden erdwissenschaftliche Fachbegriffe, ohne sie bis in alle Verästelungen zu erklären. Wer sich davon aber nicht abschrecken last, erhält in nicht zu unterbietender Kürze auf nachvollziehbare Weise die zentralen Fakten dargestellt zur geologischen Geschichte der vergangenen 250 Millionen Jahre jenes Gebietes, das heute weit herum bekannt ist als “Schweiz”. Und, übrigens, die Lektüre klärt auch, was mit den 1000 Kilometern Ozean zwischen Altdorf und Airolo passiert ist...

Stimmt, ich hatte es vor kurzem schon mal davon! Leicht gekürzt ging der Text am 22.5. über den Sender in DRS2aktuell.

Montag, 18. Mai 2009

Oesterreichs CERN-Austritt findet doch nicht statt

Der österreichische Bundeskanzler Faymann (SPOe) hat heute seinen Wissenschaftsminister Hahn (OeVP) zurückgepfiffen. Hahn hatte am 7. Mai bekannt gegeben, er wolle den Jahresbeitrag für's CERN anderweitig investieren und darum aus dem entsprechenden Staatsvertrag per Ende 2010 austreten. Faymann fand nun, er könne sich einen Austritt seines Landes aus dem CERN nicht vorstellen. Punktum. Und damit war die Uebung auch schon beendet. Das CERN wird's freuen. Den Widerstand aus der wissenschaftlichen Community ebenfalls. Mein Auskunftgeber Peter Kowalski, leitender Beamter im Wiener Wissenschaftsministerium, der vor 10 Tagen noch energisch die Position seines Ministers zu vertreten hatte, denkt sich wohl seinen Teil über die Chefs. Vielleicht ist er solche Pirouetten auch gewohnt. Sind halt Politiker...

Paul Parin ist gestorben

Wie Radio DRS aus dem Umfeld des Ethnopsychoanalytikers vernommen hat, ist Paul Parin im Alter von 92 Jahren gestorben. Aus dem traurigen aktuellen Anlass wiederholt die Sendung Reflexe heute um 11 Uhr und 22 Uhr die Ausgabe, die zu seinem 90sten Geburtstag über den Sender ging. Der Medientext dazu:
Immer hat er die Psychoanalyse als eine gesellschafts- und kulturkritisch fundierte Wissenschaft verstanden. Auch als Schriftsteller hat er sich einen Namen gemacht. Nicht selten wird er als begnadeter Geschichtenerzähler gewürdigt. Sein Schriftstellerkollege Urs Widmer und sein Psychoanalytikerkollege Olaf Knellessen zeigen, womit das zu tun hat. Natürlich hören wir auch Paul Parin, denn wer wusste besser als er selbst, warum das Geschichten erzählen so wichtig ist. Redaktion: Angelika Schett

Sonntag, 17. Mai 2009

Aktion Gr.E.L.L.: "Gratiszeitung? Einfach LiegenLassen!"

1. Gerade eben noch machte tamedia 105 Millionen Gewinn und schüttete 42,4 Millionen an die Aktionäre aus als Dividende.
2. Der Konzern geht auf Einkaufstour in der Westschweiz für 226 Millionen (Schawi applaudiert).
Und jetzt stellte die Firma 69 Kolleginnen und Kollegen von Bund und Tagi auf die Strasse.

Da scheint die Frage legitim: Wie die Solidarität mit den Betroffenen ausdrücken? Wie das Duo CEO Kall / VR-Präsi Supino wissen lassen, dass man sein Vorgehen nicht goutiert? Die Coninxens enteignen und den Betrieb den dort Arbeitenden zur Selbstverwaltung übergeben? Wäre natürlich eine Variante, allerdings wohl eher erst langfristig.
Mein interimistischer Vorschlag: Ein Aufmerksamkeitsstreik! Denn Aufmerksamkeit ist die Währung, in der wir für die Gratisblätter zahlen. Und unsere Aufmerksamkeit ist es, die Kall und Supino den Werbern gegen gutes Geld weiterverkaufen. Also strafen wir sie, resp. ihr Gratisprodukt mit Nichtbeachtung. Einfach an den Verteilboxen vorbeigehen! Ohne nach dem Zeugs zu greifen. Wir verpassen nichts. Radio ist übrigens sowieso schneller und aktueller... Nutzen wir die gewonnene Zeit im öV sinnvoller! Deswegen verliert auf den Redaktionen niemand gleich den Job! Denn es schmerzt die Chefetage eigentlich viel mehr, wenn die Migros Aufträge in Millionenhöhe storniert. Aber die Entlassenen würden sehen, dass wir draussen Anteil nehmen. Also: Gratiszeitung? Einfach LiegenLassen!

Magazin-Chef Finn Canonica befragt Tagi-Chef Res Strehle

Finn Canonica, aktueller Chef des Magazins des Tagesanzeigers, befragte am 20. September 2008 seinen ehemaligen Vorgesetzten, Res Strehle, seit 2007 Chefredaktor des Tagesanzeigers, der vergangene Woche jede vierte ihm unterstellte, journalistisch tätige Person - über 50 Leute - auf die Strasse stellte. Canonica stellte ein paar naheliegende Fragen zur Zukunft der abonnierten Tageszeitung. Strehle zum Verhältnis von Gratiszeitung 20minuten zu Tagesanzeiger:
Wenn wir schon kannibalisiert werden, dann kannibalisieren wir uns lieber selber.
Oder, zum Konzept der Tageszeitung im online-Zeitalter:
Wir müssen Newsplus machen. Das heisst Zusatzrecherche, Analyse, Service, zu sagen, was etwas bedeutet, und Unterhaltung. Das sind unsere Wertschöpfungsdimensionen. (...) Man kann's sogar messen: Wieviel Wertschöpfung hab ich auf einer Seite abonnierte Tageszeitung im Vergleich zum Gratisangebot. Wenn ich da wenig habe bis nichts, dann haben wir keine Chance. Wenn ich aber viel Wertschöpfung habe, dann können wir auch sogar noch ein bisschen teurer sein. (...) Wir müssen mehr Volkshochschule sein. (...) Sex and Crime, das ist nicht unser Differenzierungsmerkmal. (...) Das ist vielleicht das oberste Gebot: Dass sich die leute nicht langweilen, wenn sie eine Tageszeitung in die Hand nehmen. (...) Faktisch zahlt der Abonnent ja heute Papierkosten, den Druck und den Vertrieb. Wenn das nicht mehr nötig ist [weil die Zeitung in irgend einer Form (iPhone, kindle oder was immer) ins Netz abgewandert ist], dann - von mir aus - muss er gar nichts mehr bezahlen. (...) Ich hab selten eine Branche [wie die Medienbranche] gesehen, wo tatsächlich die Hysterie ein wichtiges Moment ist, ein Kennzeichen fast für die Branche. Hat vielleicht damit zu tun, dass wir viele kreative Köpfe in der Branche haben. Die sind sehr emotional. Wir wollen diese Leute auch. Die schreiben dann auch packend. (...) Das überregionale Angebot muss von verschiedenen Tageszeitungen gemeinsam gemacht werden, das regionale alleine. Das Newsnetz-Modell, das wir jetzt online praktizieren, wird früher oder später auch im Printbereich zum Tragen kommen. (...) Die Tageszeitung der Zukunft wird ein bisschen dünner werden. Wir können nicht beides haben: massiv höhere Wertschöpfung pro Seite machen mit einem leicht kleineren Redaktionsstab ["leicht kleiner", wenn Du 25% der Leute rausschmeisst?] und dann noch dicker werden. Das find ich aber auch kein Problem, denn die Leute [das Publikum] sind eher überfordert, wenn man ihnen ein Riesenbuch jeden Tag in die Hand drückt. Und denken "Ach, was ich da alles jeden Tag nicht lese, aber dafür bezahle...!" Ich glaube, diese Ueberforderung werden wir nicht mehr betreiben. (...) Die NZZ und der Tagesanzeiger sind aus meiner Sicht zu dick. (...) Die Tageszeitung wird ein bisschen intelligenter werden. Werden müssen! Das heisst: Mehr Analysen, klügere Analysen! Und sie wird bildstärker werden. Sie wird jene Bilder zeigen, wo die Leute tatsächlich hingucken. Wo sie etwas Neues sehen, irritiert werden, emotional aufgerüttelt werden. (...) Mir ist das ganz recht, dass die Jungen mit den Gratiszeitungen und den Onlineportalen jetzt einsteigen. Irgendwann, dann wenn sie die Ausbildung fertig haben, den Job antreten, eine Familie haben, dann werden sie zur bezahlten Tageszeitung greifen.
Ein schrumpfender Haufen nützlicher Hysteriker wird in Zukunft, umrahmt von irritierenden Bildern, unterhalten mit "ein bisschen" intelligenteren Analysen auf immer weniger Papier, wofür mittels intellektuell anspruchslosen Gratisblättern angefixte Familienmenschen bezahlen. Ist es zulässig zu sagen, dass auch Strehle offensichtlich keinen Plan hat?








Audiofile
Sein nervendes "mhm" in die Antwort des Gegenübers rein, hat Canonica sich inzwischen zum Glück abgewöhnt.