Freitag, 15. Oktober 2010

BPA Bisphenol A im Neuenburger Trinkwasser

Le Matin titelt gestern:

Neuchâtel: des traces de bisphénol-A découvertes dans l'eau potable

Während die Zeitung korrekt von "traces" spricht, lautet der Titel des offiziellen Communiqués des Kantonslabors:

Pas de perturbateurs endocriniens dans l'eau potable du canton

Und dort, im Communiqué der Neuenburger Staatskanzlei steht dann:
Le bisphénol-A a été observé dans 6 ressources en eau, à des concentrations comprises entre 6 et 28 ng/l. Dans quatre cas, le traitement appliqué à l’eau pour la rendre potable avait éliminé le contaminant. Dans un cas, il en avait réduit la concentration des deux tiers. Dans un dernier cas, le traitement avait augmenté la concentration à 40 ng/l, ce qui traduit une légère contamination par l’installation de traitement.

Das heisst: An 6 Orten mass das Labor BPA im Wasser ab der Quelle. Was für Quellen das sind, darüber schweigt das Communiqué sich leider aus. Und heute war dort niemand für eine klärende Antwort zu erreichen. Wie argumentiert das Labor, dass seine Messwerte unbedenklich sind? So:
L’Office fédéral de la santé publique a fixé à 75 ng/l d’eau potable la limite de préoccupation toxicologique pour les contaminants les plus toxiques. Aucune des concentrations mesurées de bisphénol-A n’atteint cette valeur. La campagne menée permet de conclure que l’eau potable distribuée dans le canton ne présente aucun risque du point de vue endocrinien.

Woher kommt die Unbedenklichkeitserklärung für alles unterhalb von 75ng/l? Das BAG schreibt unter "Chemische Stoffe im Trinkwasser:
Um den Vorrang der Stoffe festzulegen, welche toxikologisch ausgewertet werden müssen, hat das BAG das Vorgehen des TTC-Konzepts vom ILSI (International Life Science Institute Europe) anerkannt. Dieses Konzept schlägt einen Höchstwert von (≤75ng/L) für bestimmte Stoffklassen vor. Überschreiten die nachgewiesenen Fremdstoffe diese Konzentration, kann ein gesundheitliches Risiko nicht ausgeschlossen werden. Im Fall einer Überschreitung ist es deshalb empfehlenswert, im Rahmen der Selbstkontrolle ein toxikologisches Gutachten in Auftrag zu geben, um das potenzielle Risiko abschätzen zu können. Unterhalb dieses Wertes ist nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft davon auszugehen, dass praktisch kein Risiko für die Gesundheit besteht.

Das BAG referiert also auf ein "TTC-Konzept" eines "ILSI Europe". Auf dessen "Mission and Values"-Seite lesen wir:
ILSI Europe is funded primarily by its industry members.

Und die gehen von Abbott über BASF und Coca-Cola zu Nestlé, Tetra Pak, Unilver und Yakult Europe.

Fassen wir zusammen: Neuenburg verlässt sich in Sachen Grenzwert für BPA im Trinkwasser auf das BAG. Das BAG seinerseits stützt sich auf das "ILSI Europe", eine grossmehrheitlich industriefinanzierte Organisation in Brüssel. 2006 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO das ILSI von der direkten Mitarbeit bei der Festsetzung von globalen Standards für Wasser und Nahrungsmittel ausgeschlossen mit der Begründung, es sei zu einseitig finanziert (Environmental Health Perspectives über den Vorgang). Sourcewatch bezeichnet das ILSI als Lobbyorganisation. ILSI selber verwehrt sich allerdings gegen die Bezeichnung (Replik auf ILSI). Das Expertengremium des ILSI hat einen in seinen Worten "pragmatischen" Grenzwert für irgendwelche Fremdstoffe in Nahrungsmitteln festgelegt:
The Thresholds of Toxicological Concern (TTC) is a pragmatic risk assessment tool that is based on the principle of establishing a human exposure threshold value for all chemicals, below which there is a very low probability of an appreciable risk to human health. The concept that there are levels of exposure that do not cause adverse effects is inherent in setting acceptable daily intakes (ADIs) for chemicals with known toxicological profiles. The TTC principle extends this concept by proposing that a de minimis value can be identified for many chemicals, in the absence of a full toxicity database, based on their chemical structures and the known toxicity of chemicals which share similar structural characteristics. The establishment and application of widely accepted TTC values would benefit consumers, industry and regulators.
An Expert Group of the ILSI Europe Threshold of Toxicological Concern Task Force has examined the TTC principle for its wider applicability in food safety evaluation, and concluded that the TTC principle could be applied for low concentrations in food of chemicals that lack toxicity data. The use of a decision tree to apply the TTC principle was proposed, and this paper describes the step-wise process in detail.

Das vom BAG in der Beziehung als relevant bezeichnete "TTC-Konzept" und seine Herleitung beschreibt das "ILSI" hier ausführlich. Dort gibt's tatsächlich einen Abschnitt über hormonaktive Substanzen. Darin wird wieder auf ein anderes Gremium referiert, das sich 2002 auf der Basis von damals erhältlichen Daten zu BPA geäussert hat:
The SCF in its recent evaluation of bisphenol A (SCF, 2002) concluded that the data on endocrine disrupting effects at very low doses were inconsistent and had not been replicated by subsequent studies. The effects reported at very low doses were not used as the basis for establishing a temporary tolerable intake for this compound. In view of the uncertainties, it seems premature to consider low-dose effects for endocrine disrupting chemicals in the application of a threshold of toxicological concern.

Fazit: Die im neuenburger Trinkwasser gemessenen Mengen von BPA sind klein. Die Unbedenklichkeitserklärung dafür hat keine ganz so wasserdichte Basis, wie die Behörden vermitteln.

Uebrigens: In älteren Untersuchungen (siehe u.a. letzter Abschnitt dieses Postings) hat die Wasserforschungsanstalt EAWAG im Zufluss zu einer Abwasserreinigungsanlage, also in Haushaltsabwässern, BPA gemessen in Konzentrationen von rund 4'500 ng/l.

Freitag, 10. September 2010

Adressdaten geocodieren und ihre Lage mit Google Maps darstellen

Manchmal wär's zur Veranschaulichung von irgendwas ganz praktisch, man hätte eine Karte, die anzeigt, wo überall die Adressen liegen, die man grad erfasst hat. So geht das relativ einfach:

1. Adressdaten erfassen in Tabellenkalkulation. Z.B. Google Docs. Für Strasse und Stadt je eine separate Spalte
2. Daten von dort exportieren als Text (Bei Google Docs: Datei -> Herunterladen als -> Text)
3. Das Textfile öffnen, alles markieren und kopieren
4. Bei http://www.batchgeo.com/de/ in Textfenster in "Schritt 1" einfügen
5. "Bestätigen" klicken
6. Spalten den korrekten Adressteilen zuweisen
7. "Run Geocoder" klicken. Warten...
8. "Speichern / Drucken / Veroeffentlichen" klicken und Formular ausfüllen, auf "Karte speichern" klicken
9. Die Karte erscheint!
10 Ganz runter scrollen auf der Seite
11. Auf "Google Earth KML" klicken, die KML-Datei herunterladen (ev. ihr einen eigenen Namen geben)
12. Mit einem Text editor die Datei öffnen und die paar Zeilen am Anfang des Files löschen in denen Style id="0" und Style id="1" definiert sind.
13. File unter neuem Namen abspeichern
14. Zu maps.google.ch gehen und mit Deinem Google-Account einloggen
15. Auf "Meine Karten" klicken
16. Auf "Neue Karte erstellen" klicken
17. Auf "Importieren" klicken und die vorhin unter neuem Namen gespeicherte Datei auswählen.
18. Hochladen, warten und
19. Fertig ist die Karte!

Damit hab ich zum Beispiel diese Karte erstellt, die zeigt, woher überall Einsprachen kamen gegen den Teil der baselstädtischen Zonenplanrevision, der die Milchsuppe betrifft:



Einsprechende auf einer größeren Karte anzeigen

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Wasserstoff Gesellschaft ist in Griffweite - im Prinzip

Angeregt von diesem Vortrag von MIT-Chemiker Dan Nocera...



... und regelmässig als Benutzer des öVs genervt von den Abgasschwaden des Pendlerverkehrs ...



... und erfreut über den Start der Serienproduktion der Brennstoffzelle von Fronius, hab ich mich mal schlau gemacht, wie weit wir in Sachen Wasserstoff eigentlich schon sind. Dazu besuchte ich den an Metallhydriden forschenden Physiker Klaus Yvon von der Universität Genf, Philipp Dietrich, Leiter des Kompetenzzentrums Energie und Mobilität des Paul Scherrer Instituts der ETH (und Partner bei der von Nicolas G. Hayek gegründeten "Belenos Clean Power Holding", wo u.a. George Clooney im VR sitzt) und den Solarpionier Urs Muntwyler. Herausgekommen ist diese halbe Stunde, die am 14.7.2010 in Kontext zu hören war:



Mein Fazit: Wenn unsere Enkel fossile Energieträger und deren Folgen nur noch aus Gruselgeschichten kennen, dann werden wir das unter anderem den oben genannten Pionieren zu verdanken haben. Und die Chancen, dass es soweit kommt, stehen besser als auch schon!

Donnerstag, 8. Juli 2010

Bee Defensin-1 - oder: Warum Honig antibakteriell wirkt

Die Forschungsgruppe um den Amsterdamer Biomediziner Sebastian Zaat publizierte vor kurzem ihre Erkenntnisse darüber, warum Honig antibakteriell wirkt: "How honey kills bacteria; Paulus H. S. Kwakman, Anje A. te Velde, Leonie de Boer, Dave Speijer, Christina M. J. E. Vandenbroucke-Grauls, and Sebastian A. J. Zaat" (Communiqué dazu). Sie identifizierten darin das Peptid "Bee Defensin-1". Im Interview erläutert Zaat, was die Bedeutung der Entdeckung ist und wie sie vorgegangen sind:


Stefan Baum, Pflegefachmann am Kantonsspital Luzern, setzt Honig in der Wundpflege in ganz speziellen Fällen regelmässig ein. Er erläutert, wo das, was wir primär als Brotaufstrich kennen, medizinisch sinnvoll angewandt wird:

Die Interviews sind Rohmaterial für einen Beitrag in der Rubrik "Wissen aktuell" auf DRS1 und im Magazin DRS2aktuell.

Dienstag, 6. Juli 2010

Wenn's Flugzeugbenzin vom Himmel regnet...

Die US-Fernsehstation WREG berichtete unlängst von merkwürdigen weissen Flecken, die über Nacht auf Blättern aufgetaucht seien, zu Löchern wurden und die Pflanzen teilweise absterben liessen. Die Auflösung scheint eine FedEx-Maschine zu sein, die kurz nach dem Start umkehren musste und vor der Landung ihr Zuviel an Flugbenzin abliess:
 

Stadtentwicklung in Basel auf Kosten der Familiengärten


Weitere Informationen u.a. hier.