Mittwoch, 26. März 2008

Google und Microsoft forschen gemeinsam

Stell Dir vor, Dein Computer protokolliert mit, wann Du was mit welchem Dokument / Film / Musikstück / Bild tust und in welchem Kontext mit beliebigen anderen Files Du das machst. Er zeichnet eine Art Film Deiner gesamten Aktivitäten am Rechner auf. Und diese Aufzeichnung kannst Du danach durchsuchen. Im Sinne von: Wenn Du File A öffnest, stehen automatich alle letztmals plusminus gleichzeitig mit A bearbeiteten Files zur Verfügung. Oder: Du setzt ein Bild in ein Dokument ein und eine Woche später willst Du es ersetzen, weisst aber nicht mehr, woher Du es damals hattest. Dein Compi weiss es noch! Du suchst eine bestimmte Version eines Dokumentes - aber welche? Du erinnerst Dich, dass damals gleichzeitig ein Mail von XY reinkam. Dieses Mail reicht, um das gesuchte Dokument aufzufinden. Vorgestern hast Du einen Song laufen lassen während Du den Text schriebst. Wie hiess das Lied nochmal? Nimm den Text, und das Protokoll nennt den Titel. Usw. usf. Dein Rechner erinnert sich also quasi an alle Kontexte und zeitlichen Abfolgen Deiner Arbeiten. Wär manchmal praktisch, es gäb sowas. Genau daran arbeiten Elin Ronby Pedersen und Jeanine Spence. Die beiden Frauen haben ihr gemeinsam publiziertes Paper darüber am 13. Januar 2008 auf den kanarischen Inseln am "International Workshop on Recommendation and Collaboration" vorgestellt. Es heisst "A Case for Usage Tracking to Relate Digital Objects" (pdf gibt's hier - get it while it's hot!). Interessanterweise arbeitet Pedersen bei Google (früher bei Microsoft) und Spence bei Microsoft. Warum das interessant ist? Weil dieses Paper ein Indiz dafür ist, dass Google und Microsoft sich gemeinsam nicht nur für Deine Datenspur im Netz (Deine attention data und Deine gestures im Sinne von Steve Gillmor) interessieren (Google trackt alles!), sondern auch für Dein Verhalten auf Deinem Rechner. Natürlich ist das Interesse verpackt in das Konzept für ein kommendes Feature sei es von Windows 7 oder Google Desktop. Oder wie es im vorletzten Abschnitt des Papers heisst:
Looking ahead we see usage tracking as an interesting additional source of data that can enable numerous improvements in both functionality and user experience.
"...and in revenue" ist man versucht anzufügen.

Der Titel dieses Postings mag übertrieben sein. Ein gemeinsam publiziertes research-Paper einer Googlerin und einer Microsoft-Frau muss nicht viel heissen. Aber die Kooperation von zwei Angestellten über die Mauern zwischen Google und Microsoft hinweg in einem strategisch nicht uninteressanten Bereich ist dennoch durchaus bemerkenswert.

Mittwoch, 12. März 2008

dailyme.tv @ elektrischerreporter.de

Ist zwar schon über ein halbes Jahr alt die Folge vom elektrischen Reporter, aber die portraitierte Site dailyme.tv ging erst vor einigen Tagen online - und ihr Service kommt in rund zwei Wochen auch in die Schweiz. dailyme ist - stark verkürzt - ein Podcastkatalog und -aboverwalter im Browser plus ein Downloadclient im Handy. Die beiden sind offenbar (hab's nicht selbst getestet) recht clever miteinander verbunden. Dadurch entsteht eine Art iTunes im Browser, das die Podcasts ohne Umweg über den PC/Mac direkt auf's Handy synct, sprich: im Hintergrund downloadet. Bleibt weiterhin das Problem von Bandbreite und Datenkosten, wenn man nicht grad im eigenen WLAN steht. Aber als Idee not bad.

Plan B zu dailyme.tv: wizzard media hat für das iPhone eine Web-Applikation entwickelt, die Podcastabos verwaltet und abonnierte Shows gleich ohne Download auf's Gerät streamt. Demo gibt's hier. Damit handelt man sich natürlich u.U. Probleme ein, wenn die Bandbreite grad nicht ausreicht im Moment, da man eine Show ansehen will. Drum Plan B.

Montag, 10. März 2008

"Must listen to" of the day: TWiT 135

Leo Laporte, Jason Calacanis, Jerry Pournelle, Wil Harris und - kurz auch Robert Scoble - debattieren über SXSW, Mix, das iPhone SDK etc. Was hab ich gelernt: Jimmi Wales hat seine zwielichtigen Seiten, hinter den Kulissen gibt's Bewegungen, Wikipedia zu kommerzialisieren ("Google is dead!" ???), das Gespräch zwischen Mark Zuckerberg und Sarah Lacey ist abgestürzt, twitter kann ein Feedbackkanal sein an Konferenzen, creative commons und open source sind eigentlich marketing tools, wenn Du am Gewinnen bist, bist Du geschlossen (Google search, Apple iTunes), wenn Du am kürzeren Hebel sitzt, bist Du offen (Google phone, amazon non-drm-mp3s), das iPhone ist Apples trojanisches Pferd in die Businesscommunity (unterstützt jetzt Outlook), die Manager werden sich sagen: "Warum dürfen meine Kinder so ein cooles Handy haben und ich muss mich mit einem langweiligen Blackberry rumschlagen?".

Mit TWiT im Ohr die Woche zu beginnen, ist meistens ein grosses Vergnügen. Diesmal war's ganz besonders so.

Mittwoch, 5. März 2008

Wordpress wird open source social network

Der Gründer von Wordpress, Matt Mullenberg, hat den Entwickler von buddypress (zuzeit offline wg. Serverumzug; Version aus dem Googlecache ) angeheuert, wie er in seinem Blog schreibt. Der Plan: Wordpress in der Multiuserversion zur Softwareinfrastruktur für socal networks machen. Matt:
Someday, perhaps, the world will have a truly Free and Open Source alternative to the walled gardens and open-only-in-API platforms that currently dominate our social landscape.
Ein spannender Ansatz. Das finden auch ganz viele andere... facebook, myspace & co müssen sich warm anziehen. ning & co tendentiell wohl auch.

Dienstag, 4. März 2008

Ist dvb-t der dvb-h-Killer?

LG lanciert demnächst in Deutschland via The Phone House das dvb-t-Handy. Das bringt Henning Gajek dazu, bereits einen Abgesang auf dvb-h zu schreiben. Auf meine Anfrage hin liess "The Phone House Schweiz" durchblicken, dass das dvb-t-Gerät von LG im Mai auch hierzulande erhältlich sein werde. Eventuell mit Sunrise als Partner. Heute erfuhr ich zudem von anderer Seite, dass die Swisscom ihr dvb-h-Angebot gegen Ende April lancieren will. Es wird interessant sein zu verfolgen, wie die zwei einander beeinflussen: dvb-t (gratis, max. halbes Dutzend Kanäle) und dvb-h (kostenpflichtig, gegen 20 Kanäle) auf dem Handy.

Samstag, 23. Februar 2008

Studie für Tellabs: Gefälligkeitsresultate von Auftragsforschung?

In letzter Zeit macht eine Studie die Runde (siehe auch hier), die M:Metrics im Auftrag von Tellabs erstellt hat und die offenbar in Barcelona am Mobile World Congress vorgestellt wurde. Die meisten Sites, die die Studie kolportieren, lassen mobileTV in schlechtem Licht erscheinen. Worum geht's? M:Metrics will herausgefunden haben, dass in einigen Ländern mehr Leute sich von mobileTV verabschieden, als entsprechende Dienste neu abonnieren:
former mobile TV users grew 68% in 2007, outpacing the growth of the total market (36%).
Und warum die "wachsende Zahl von Ex-Usern"?
After price, mobile users still cite quality and reliability as the second most important reason for their disenchantment. Yet those ex-users grant operators a clear window of opportunity: 60% would pay to watch mobile TV again if service quality and reliability significantly improved in the coming year.
Zu teuer, zu schlechte Qualität. Woher das Problem: Überlastete Backbones, spekuliert Tellabs:
High-bandwidth services such as mobile TV combined with the increasing number of mobile users cause strain on backhaul networks. This capacity crunch can directly affect the quality and reliability of 3G services.
Soweit so plausibel. Was ist die Lösung? Fragen wir Tellabs:
Operators need a backhaul architecture that automatically assures bandwidth and priority to prevent bottlenecks. To ensure users can enjoy mobile TV, operators are migrating to pseudowire-based platforms that enable Ethernet backhauling with strict Quality of Service and high reliability.
Klingt vernünftig. Woher aber nehmen. Wer kann sowas liefern?
The Tellabs IntegratedMobileSM solution, showcased at MWC, enables operators to migrate to new services quickly and cost-effectively. Tellabs' growing customer base is a clear indicator that operators are keen to act now and seize the window of opportunity highlighted through the research.
Na, wer hätte das gedacht?!?! Eine Studie, in Auftrag gegeben von Tellabs, kommt zum Schluss, dass es ausgerechnet ein Produkt von Tellabs braucht, um die Zuverlässigkeit von Backbones für mobileTV zu verbessern, damit Kritikpunkt Nummer zwei (eins = Preis) der Ex-Nutzer korrigiert werden kann: schlechte Servicequalität. Irgendwie stinkt die Sache. Etwas gar plump, scheint's mir!
Und warum differenziert die Auftragsarbeit für Tellabs nicht in streaming und broadcasting à la dvb-h? Wohl weil das Produkt von Tellabs sich nur auf streaming mobile tv versteht. Und dvb-h gar keine Bandbreitenprobleme kennt, weil es ein Broadcastingverfahren ist. Allerdings muss auch M-Metrics feststellen:
Italy has the highest percentage of mobile TV viewers.
Und wo läuft das erste kommerzielle dvb-h Angebot? Genau! Mein Fazit: mobileTV per streaming überzeugt offenbar (noch) nicht. dvb-h hingegen könnte es richten...

Samstag, 16. Februar 2008

DVB-H für neuere WLAN-Handys

iphone reblogged meldet (und andere), dass die kalifornische Firma PacketVideo in Barcelona am Mobile World Congress ein Kistchen vorgestellt hat, das DVB-H Signale (sowie andere Standards) empfängt und via WLAN an entsprechend ausgerüstete Handys (und andere Geräte) streamt:
The mobile broadcast receiver will be available in versions for all major mobile broadcast standards, including TDtv, DVB-H and MediaFLO as well as for WiMAX. The device can also be customized with the operator’s badge or branding for the retail market. The mobile broadcast receiver is compatible with many industry-leading phones including the Nokia N-series, Apple iPhone and HTC Smartphone devices.
Eine clevere Idee! Damit wird das Publikum für DVB-H bestenfalls (wenn das Kistchen vernünftig wenig kostet) deutlich schneller wachsen können, als wenn für den Empfang ein neues Handy angeschafft werden müsste. Im Prinzip... Jetzt ist nur noch die Frage, über welche Kanäle der Umsetzer wann auf den Markt kommt. Siehe dazu auch techradar.

Samstag, 2. Februar 2008

dvb-h in .at: Start zu Euro'08 "nahezu obsolet"

Das schreibt das "Elektrojournal":
DVB-H hätte eigentlich zum Anpfiff der Fußball-Europameisterschaft im Juni starten sollen. Dieser Termin ist inzwischen aber nahezu obsolet.
Hauptgrund: Die Medienbehörde KommAustria hat die DVB-H-Bewerbungen von Telekom Austria (TA) und ORS abgelehnt, weil sie offenbar eine der gesetzlichen Bedingungen nicht erfüllen: Plattformbetreiber (Infrastrukturbauer?) und Programmaggregator (Kanalbouquetbestimmer?) dürfen nicht miteinander verbunden sein. Das regelt die Schweiz anders, denn hier sind die Infrastruktur und die Hoheit über die Zusammensetzung des damit verbreiteten Programmangebotes in der Hand der Swisscom. Den Entscheid hat die ComCom bereits letzten September gefällt. Seither ist die Swisscom wohl gleichzeitig damit beschäftigt, die Sendeanlagen aufzubauen und die Kanäle auszuwählen. In Oesterreich sind diese beiden Arbeiten "on hold", weil die Verantwortlichen dafür noch nicht bestimmt sind. Drum wird's dort wohl eng bis zur Euro08, die am 7. Juni startet. Und bis dahin bleiben nur noch rund 4 Monate!