Erster Eindruck nach oberflächlichem Durchblättern des neuen Buches von Helmut Weissert und Iwan Stössel (Merci! an den Verlag für das Rezensionsexemplar): Viele anschauliche Karten, Profile und Fotos. Zielpublikum eher naturwissenschaftlich Vorgebildete. Erdwissenschaftliche Fachbegriffe werden sehr selbstverständlich verwendet. Wen das nicht abschreckt, erfährt in kaum zu unterbietender Kürze die zentralen Fakten zur geologischen Entwicklung des Gebietes, das heute weitherum bekannt ist als "Schweiz". Zusammen mit dem auf dem Buchrücken verdankenswerterweise erwähnten E-Learning Angebot "Learning EArth's Dynamics" ergibt sich eine rund Sache für im weitesten Sinne erdwissenschaftlich interessierte ZeitgenossInnen.
Der Archäologe Nicholas Conrad von der Universität Tübingen und sein Team haben auf der Schwäbischen Alb letzten September eine 35‘000 Jahre alte Frauenfigur gefunden, ein aus Mammutzahn geschnitzter Torso, knapp handteller-gross. Das Forschungsteam berichtet heute in der Zeitschrift Nature über seinen Fund, der in der Fachwelt als Sensation gilt. Sandra Pichler ist Anthropologin an der Universität Basel und Fachfrau für prähistorische Frauendarstellungen. Sie erklärt mir in 7 Minuten die Bedeutung des Fundes für die Fachwelt, die Sache mit dem Fruchtbarkeits- und Schönheitsideal, ob unsere Vorfahren am Lagerfeuer aus Spass kleine dicke Frauen schnitzten und was es mit der Schwäbischen Alb auf sich hat.
Nun ja, "OLED-Weltmeister" klingt etwas flappsig, aber stimmt insofern, als im Moment niemand schwarz auf weiss in der öffentlich zugänglichen Fachliteratur von noch energieeffizienteren organischen lichtemittierenden Dioden (OLED) berichtet, als sie das Paper von Sebastian Reineke et al. beschreibt, das morgen in Nature erscheint. Er hat mir erzählt, worin ihre Innovation besteht, was sie bedeutet und wir haben darüber phantasiert, was dereinst mit OLEDs als Lichtquellen möglich sein könnte.
Korrekterweise ist anzufügen, dass die OLEDs von Reineke et al. ihre Weltrekord-Effizienz nur kurz durchhalten. Nach ein bis zwei Stunden fällt sie runter um 50%. Insofern ist die Arbeit ein Machbarkeitsbeweis, aber noch kein einfach nachzubauendes Rezept für die Beleuchtungsindustrie.
Vor kurzem hat Oesterreichs Wissenschaftsminister beschlossen, sein Land wolle die 23 Millionen Franken Jahresbeitrag ans CERN lieber anderweitig investieren und darum den entsprechenden internationalen Vertrag aufkünden. Gegen diesen auf Ende 2010 terminierten Abschied vom CERN formiert sich bereits massiver Widerstand. Bei Facebook ist die entsprechende Gruppe aktuell schon 1'200 Mitglieder stark. Und wer seine Solidarität mit den Opponenten ausdrücken will, kann sich an der Onlinedemo beteiligen.
Vor ein paar Tagen war sie zu Gast bei der französischen Musiksendung taratata. Wie sie den Gastgeber in ihrer unendlich charmanten Art ins off laufen lässt, ist schon fast klassisch zu nennen... Sie bringt ihm sogar bei, wie er auf Schwyzertüütsch korrekt "Stephan Eicher" sagen muss. Denn Eicher ist special guest und die beiden spielen zusammen "Like a Rolling Stone". Erst aber sie solo mit "round and round":
Oesterreichs Wissenschaftsminister Johannes Hahn gab gestern bekannt, dass sein Land die Prioritäten in der internationalen wissenschaftlichen Kooperation umpolen wolle und darum per Ende 2010 aus dem CERN-Verbund austreten werde. Das CERN wurde überrascht von dem Entscheid und findet ihn sehr bedauerlich, wie mir dessen Pressesprecherin Christine Sutton grad versichert hat. Man werde jetzt in Verhandlungen mit Oesterreich eintreten und versuchen, das Land umzustimmen. Auch wenn Oesterreich bei seiner Entscheidung bleibe, gebe es sehr wohl finanzielle Verpflichtungen über 2010 hinaus, zu denen das Land bereits ja gesagt habe.
Audio: 2:37 Interessant: Aus dem Wissenschaftsministerium in Wien ist zu hören, dass nur 13 Personen direkt betroffen sind. Die vielen anderen OesterreicherInnen am umd um's CERN betreffe der Austrittsentscheid nicht, denn die seien dort wegen ihrer wissenschaftlichen Qualitäten, nicht wegen ihres Passes. Auch eine mögliche Sichtweise... Am Nachmittag bekomm ich ein offizielles Statement aus dem Ministerium. Die Geschichte kam schliesslich so im Echo der Zeit heute:
UPDATE 12.5.: Gestern haben offenbar tatsächlich Gespräche zwischen CERN-Leitung und Oesterreichs Wissenschaftsminister stattgefunden. Ergebnisse gibt's noch keine. Die Verhandlungen sollen auf Expertenebene fortgesetzt werden.
Künstliche Süsstoffe sind weit verbreitet. Sie ersetzen Zucker in der Regel dort, wo ein Nahrungsmittel süss sein muss, aber weniger oder keine Kalorien enthalten soll. Stichwort: Light-Produkte. Einer dieser Süssstoffe heisst Acesulfam. Wo Acesulfam überall drin steckt, zeigt z.B. die Site codecheck.info bei einer Suche nach dem Namen. Sie kennt 458 Produkte. Acesulfam ist 200 mal süsser als normaler Kristallzucker. Eine seiner Haupteigenschaften: Es wird nicht abgebaut, weder in unserem Körper, noch in der Kläranlage, noch sonst in der Umwelt. Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil hat darum im Kanton Zürich an verschiedensten Orten nach Aceslufam gesucht. Und den Stoff tatsächlich in sehr vielen ihrer Proben nachweisen können: In Flüssen, Seen, im Grundwasser und auch an einigen Orten im Hahnenwasser daheim (Medienmitteilung). Über die Ergebnisse erscheint heute im Fachmagazin "Environmental Science & Technology" ein Artikel, begleitet von einem ausführlichen Kommentar der Zeitschrift. Die Frage an Hauptautor Ignaz Bürge: Acesulfam im Wasser, das aus dem Hahnen fliesst, muss ich mir Sorgen machen?
Zu hören heute am Nachmittag auf DRS4News. Wenn ich's mir recht überlege, passt's mir aber trotzdem nicht, dass ich - zumindest an einigen Orten in der Schweiz - via das Trinkwasser künstlichen Süssstoff schlucke, ohne dass ich das wirklich will. Was, wenn ich um Saccharin, Aspartam, Acesulfam etc. in Essen und Trinken einen grossen Bogen machen will, aber daheim eines davon halt zum Wasserhahnen rauskommt... eventuell sogar, ohne dass ich davon weiss? That's wrong! Die Suche nach Acesulfam bei PubMed gibt einige Resultate. Darunter auch ein jüngerer Artikel aus Indien, wo im Tierversuch bei hohen Dosen (nicht zu vergleichen mit den im Wasser gefundenen Konzentrationen!) eine Wirkung festgestellt wurde: "Swiss albino mice, Mus musculus, were orally administered with different concentrations of aspartame (ASP; 7, 14, 28, and 35 mg/kg body weight), acesulfame-K (ASK; 150, 300, and 600 mg/kg body weight), and saccharin (50, 100, and 200 mg/kg body weight) individually. (...) The comet parameters of DNA were increased in the bone marrow cells due to the sweetener-induced DNA strand breaks, as revealed by increased comet-tail extent and percent DNA in the tail. ASK and saccharin were found to induce greater DNA damage than ASP.) Und es gibt bis auf den heutigen Tag Stimmen, die sagen, die Sicherheit von Acesulfam sei nie sauber nachgewiesen worden. Die Tierversuche, die Hoechst in den 70er Jahren (!) mit Acesulfam gemacht habe, seien "poorly designed, badly executed, and data from the studies weren’t analyzed properly", sagt die Medizinerin Myra L. Karstadt, die das Thema seit längerem verfolgt. Muss ich mir vielleicht trotzdem Sorgen machen? Naja, zum Glück lassen sich künstliche Süssstoffe in der Regel relativ leicht umgehen. Solang Du sie nicht im Trinkwasser hast.